Das Freelancer Website Dilemma

Endlich – nach mehreren Anläufen hat es geklappt: Entlang hat eine neue Internetpräsenz. Man ist sich eben selbst der schlimmste Kunde und so kam es, wie es kommen musste: Man konnte sich mit sich selbst nicht auf eine Deadline, Budget oder Layout einigen.
Und so hielt sich der sogenannte »Platzhalter« doch länger als gedacht.

Aber warum?

Das ist eine sehr gute Frage und etliche Kollegen stolpern über das gleiche Problem. Eigentlich macht man ja den ganzen Tag und dies schon ein paar Jahren Auftritte im Web, Logos, Flyer, Visitenkarten, Poster, u.ä. – Aber der eigene Auftritt besteht aus einem schnell dahingeschustertem Flickwerk mit den bekannten Worten »Wir launchen bald neu und super runderneuert… April / 2008«. Technisch natürlich auf Höhe der Zeit (nicht): Eine <table> zur Zentrierung und ein .jpg mit den Kontaktdaten.

Wie ich das sehe, hat das vor allem zwei Gründe:

1. Der eigene Anspruch

Ein guter Grafiker hat natürlich einen hohen Anspruch von seinen Werken, sei es typografisch oder technisch. Schließlich zeigt die Website, was man kann. Und da darf man sich keine Fehler erlauben! Eine halbgare Geschichte? Nein, mit so etwas kann man sich heute doch nicht mehr blicken lassen.

2. Deadline? Welche Deadline?

Der zweite Punkt ist, dass man sich selbst natürlich keine Zielvorgaben setzt. Da der Anspruch hoch ist, ist die Website fertig – wenn sie fertig ist. Und so arbeitet man nebenher an Layouts, wandert fröhlich von Reinzeichnung zum Skribbeln zu Wireframes, um dann wieder von vorne anzufangen. Schließlich hat man ja hier die Möglichkeit sich zu verwirklichen. » Gut Ding will Weile haben! «

3. Design. Für mich. Auch das noch!

Schwierig wird es natürlich auch noch, den ganzen Projektablauf neben seiner (bezahlten) Freelancer-Tätigkeit einzubauen. »Wer Hiphop macht, aber nur Hiphop hört, betreibt Inzest« rappte Jan Delay und traf eine wunden Punkt der Grafiker: Selbst die Besten sind nur so gut, wie Sie ihren Freizeit freien Lauf lassen. Gute Grafiker sind neben dem Design stehts neugierig wie ein Fuchs auf der Suche nach Inspiration. Wer sich 7 Tage der Woche in der Agentur einschliesst, der kaut relativ schnell die gleichen Manierismen wieder.

Und nun soll man nach Feierabend noch an seiner Website arbeiten? Komisch, dass einem dazu dann gar nichts mehr einfällt.

Und wie geht es dann doch?

In dem Buch »How to be a graphic designer without losing your soul« gibt es einen (für mich) goldenen Tipp:

Behandele dich selbst als Kunden, wie du deine Kunden auch behandeln würdest.

Was heißt das konkret?

  • Mache mit dir selber ein Kick-Off. Schreibe dir danach ein Briefing. Dies hilft dir später deine Richtungsentscheidungen an einem festen Maß zu orientieren.
  • Erstelle für dich selbst zumindestens eine Hausnummer mit Anzahl der Arbeitstage für das Projekt. Am besten gleich einen KV.
  • Setze dir eine Deadline! Versuche dich daran zu halten! Du wirst sie reissen, aber eine Woche später ist das Ding im Kasten 😉
  • Tracke deine Zeit. Wenn du das Budget z.B. für das Konzept überschreitest, stelle dir selbst die Frage warum. Ebenso wie z.B. beim Layouting oder Developing. Denke immer die Deadline!
  • Ist eine Entscheidung für einen Zwischenschritt gefallen, behalte diese bei. Oder möchtest du einen Kunden, der täglich die Farbe des Logos wechselt?

Schlussendlich ist alles besser – als der Platzhalter auf seiner eigenen Domain 😉